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Reformation, da geht was ... weiter!

 Unter diesem Titel zeigen wir im November 2017 die Ausstellung „500 Jahre Reformation“ unseres Gemeindebundes (BEFG) im Rahmen sehr unterschiedlicher Veranstaltungen zum Thema. Reformation als Anlass zum Gedenken und Feiern geht auch uns Baptisten und alle „täuferischen Kirchen“ etwas an. Die Reformation vor fünfhundert Jahren entfachte an vielen Orten Europas eine vielfältige Hoffnung der Erneuerung des Glaubens und führte zur Bildung diverser Gemeinden und Kirchen, die sich heute alle zur großen „Familie des evangelischen Protestantismus“ zählen.

Die vier großartigen Leitideen der Reformation verbinden uns alle trotz unterschiedlicher Ausprägungen:

Allein der Glaube: Wir erkennen, dass Gott sich für uns entschieden hat und sagen dazu freudig unser Ja und Amen. Diese persönliche Gewissheit des Heils kennzeichnet das Leben der Christen.

Allein die Gnade: Wer allein aus Gnade gerecht geworden ist, verliert alle Angst und wird frei, sich um das Wohl seines Nächsten zu sorgen.

Alleine Christus: Die christliche Gemeinde bewahrt in der Welt ihre Freiheit, mit Gewissheit vom Evangelium zu reden, wenn Christus alleine ihr Herr ist.

Allein die Schrift: Die (Heilige) Schrift selbst, in der Gemeinschaft der Christen gelesen, ist das für alle verständliche und verpflichtende Zeugnis von Christus. Keine „Lehrautorität“, keine „Tradition“ steht über der die Bibel lesenden Gemeinde. So praktiziert sie das „allgemeine Priestertum aller Gläubigen“.

S06G Reformation hat Geschichte003In unseren Gemeindebriefen dieses Jahres hat Edgar Lüllau fünf kurze Geschichtsbeiträge zum „Reformationsjubiläum 2017“ aus „nonkonformistischer Sicht“ geschrieben. Reformation hat eine vielfältige Geschichte. Sie fängt schon vor 1517 an, also mitten im Mittelalter, und setzt sich im sich bildenden „freikirchlichen Protestantismus“ fort. Das immer wiederkehrende Leitmotiv dieser Geschichten lautet: „Die Religionsfreiheit beginnt mit der Bitte um die Taufe.“ Diese eingeforderte Glaubensfreiheit als das individuelle Recht eines jeden Menschen, dem Ruf Jesu in seine Nachfolge Folge zu leisten, provozierte von Seiten der Kirche und des Staates heftigsten Widerstand und Verfolgung. Mit der Reformation Martin Luthers und seiner Mitstreiter standen die Themen der frühen Reformationsbemühungen des Mittelalters wieder auf der Tagesordnung von Kirche und Gesellschaft. Aber erst mit den Religionsflüchtlingen in der „Neuen Welt“ entstanden in Amerika die ersten „säkularen“ Staaten, die allen Menschen in einer demokratischen Gesellschaftsordnung volle Religionsfreiheit gewährten. Die Reformation war nicht in erster Linie eine „Kirchenspaltung“, sondern ein gewaltiger Anstoß zur „Freiheit des Glaubens“ in Vielfalt.

Jede Reformation ist aber auch eine unvollendete Reformation. Jede Generation ist aufgerufen, ihr Glaubensleben in der Gemeinschaft der Glaubenden und der Gesellschaft neu zu gestalten, zu „reformieren“. Der Blick zurück in die eigene Geschichte macht erst dann Sinn, wenn dabei der Blick auf Heute und in die Zukunft geschärft wird. Aus einer „Reformation des Glaubens“ muss eine neue „Mission der Hoffnung“ für unsere eine Welt werden. Diese Aufgabe kann keine Kirche alleine übernehmen. Nur in einer neuen ökumenischen Gemeinsamkeit, die die Vielfalt fördert, können wir Christen den Menschen heute mit der Botschaft von Jesus Christus auf dem Weg des Friedens und der Gerechtigkeit dienen.

Unser Sondergemeindebrief zum „Reformationsjubiläum 2017“ will dazu einen kleinen Beitrag leisten.

Anne Traub, Gemeindeleiterin der EFG Leverkusen, Oktober 2017

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