Je nach Typ neigen wir Menschen verstärkt dazu, uns Gedanken um die Zukunft zu machen und uns zu sorgen. Alltäglichkeiten wie „Ob mein Vortrag morgen wohl gelingt?“, „Bekomme ich die Gehaltserhöhung?“, „Wird der Zug pünktlich fahren? Und was tue ich, wenn ich ihn verpasse?“ sind nur ein kleiner Ausschnitt möglicher, „vorbeugender“ Überlegungen. Sie haben eine andere Wertigkeit als existenzielle Probleme, die besprochen, umbetet und möglichst geklärt werden wollen. 

Die kleinen Alltagssorgen sind es, die unsere Energie oftmals binden und das Vertrauen in Gottes gute Absichten mit uns überlagern. Dazu trägt sicher bei, dass wir in der Dimension Zeit leben, sie aber nicht beherrschen. Wir können rückblickend erkennen, wo etwas gelungen ist – oder auch nicht - und verstehen oft im Nachhinein, wohin bestimmte Umstände im Alltag führten. Gott dagegen beherrscht die Dimension Zeit und kann sie gestalten. Damit verdient er unser Vertrauen in gute Wege für uns.

Sorgenbild HP

Sorgen machte sich auch das Volk Israel als die zehn ausgesendeten Kundschafter unterschiedliche Information zur möglichen Einnahme des „Landes, wo Milch und Honig fließt“ mitbrachten. In der letzten Predigt von Bernd Busche im Rahmen des Interimsdienstes ging es um diese alte biblische Geschichte aus dem 4. Buch Mose (Kap. 13 + 14). Das Volk reagierte trotz Gottes Versprechen skeptisch und hörte mehr auf die besorgten Kundschafter und ihre Argumente als auf die Mutigen, Josua und Kaleb. Erst sehr viel später wurde in der Rückschau klar, dass fehlendes Vertrauen, Sorgen und Unzufriedenheiten der Israeliten zu einer massiven Verzögerung der Einnahme des verheißenen Landes führte. 

 

Alltägliche Sorgen verhindern aber nicht nur vertrauensvolles und energiegeladenes Voranschreiten, sondern sie sind auch ein permanenter Stressfaktor. Dieser Stress lässt uns erwiesenermaßen anfälliger werden für Angststörungen und Depressionen – zwei typische Krankheitsbilder unserer Zeit. Das Sich-Sorgen erzielt in keinster Weise einen positiven Effekt, sondern wirkt ungesund. In Mat. 6: 25-34 werden wir aufgefordert, das Sorgen um Alltägliches zu lassen. Mit Bildern aus der Natur wird unser Vertrauen in die Versorgung durch unseren liebenden Schöpfer angeregt. Im Brief an die Philipper (Kap. 4: 6) rät Paulus, Gott zugleich zu danken, wenn wir ihm sagen, wo uns „der Schuh drückt“. Wilfried Veeser, der Referent des Abends „Glaube und seelische Gesundheit“ am 14.06. nennt diese Haltung ein „Anti-Stress-Gebet“. Erwartungsvoll können wir Gott sagen „Ich habe den Vortrag vorbereitet (meinen Job angemessen wahrgenommen; genug Zeit für die Fahrt eingeplant) – nun bin ich gespannt, was du daraus machst.“ Ein solches Gebet entlastet vom Stress des Sich-Sorgens und öffnet den Raum zum Vertrauen in Gott im Alltag. Die Herausforderung dazu stellt sich täglich. 

 

Ich selbst entscheide, ob ich Sorgen oder Vertrauen in meinen Gedanken den Vorzug gebe. Persönlich nehme ich mir vor, meine manchmal nörgelnden Sorgengebete verstärkt zu „Anti-Stress-Gebeten“ umzugestalten.

Gerade für die bevorstehende Urlaubssaison wünsche ich uns allen eine Zeit der Erholung mit Besinnung auf Gott als vertrauenswürdigen Kümmerer.

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