Jahreslosung 2021

Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Jesus Christus spricht 

Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist

Lukas 6,36

Jahreslosung 2021

Eine treffendere Losung für uns, immer noch mitten in der Coronakrise, können wir uns zum Anfang des Jahres 2021 nicht wünschen, als diesen Appell Jesu an alle, barmherzig zu werden. Allerdings wissen wir selbst wie viel oder wie wenig Appelle von Oben nach Unten wirklich bewirken. Kontaktbeschränkungen wegen der Übertragung des unsichtbaren Coronavirus während der Weihnachtstage auf ein Minimum zu beschränken, war eine Herausforderung. „Barmherzig sein“ haben wir uns bisher eigentlich anders vorgestellt als die nun von uns geforderte räumliche Distanz zu unseren Nächsten. Doch ein Ausblenden der tödlichen Gefahr der Pandemie ist auch kein „Werk der Barmherzigkeit“. Aber vielleicht passte das Adjektiv barmherzig bisher noch nie so richtig zum Handeln der Menschen in unserer Welt. Um in unserer Welt einigermaßen zu bestehen, zieren ganz andere Adjektive unser Tun.

Jesus verbindet deshalb „barmherzig sein“ zu allererst mit dem Handeln Gottes und fordert von uns, auf Erden so zu handeln wie Gott! Der Mensch so wie Gott? Gewiss eine Zumutung. Aber im „Vater Unser“ sind wir es gewohnt zu beten: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Jesus holt das Vergeben aus dem Himmel hinunter auf die Erde und ermächtigt die Menschen, einander die bösen Taten, die niemand ungeschehen machen kann, zu vergeben. Dabei ist das Vergeben keine nachträgliche Rechtfertigung des Bösen, sondern die Ermöglichung eines Neuanfangs menschlicher Beziehungen, hier die zwischen Täter und Opfer. Vergeben und Neuanfang gewähren, das sind die entscheidenden Kriterien menschlichen Handelns, in denen „barmherzig werden“ auf Erden sichtbar wird.

Das zeigt auch der Zusammenhang, in dem im Lukasevangelium dies Wort Jesu steht. Lukas 6, 27-38 beginnt mit den Worten: Euch aber, die ihr zuhört, sage ich: Liebet eure Feinde, tut denen Gutes, die euch hassen, segnet die, die euch verfluchen, betet für die, die euch beschimpfen. Jesus setzt hier voraus, dass wir Menschen nicht zwanghaft und automatisch handeln müssen: Auf Feindschaft muss nicht Hass folgen. Im Unterschied zur Rache als natürlich-automatischer Reaktion auf Verfehlungen, ist der Akt des Verzeihens wie ein neuer Anfang, der von den Folgen der Vergangenheit befreit. Diese Freiheit des Menschen zeigt sich zu allererst in dem „Vergebet-einander“. In der Tat erleben wir zurzeit, wie bedrohlich für das menschliche Mit-einander-leben gesetzmäßiges Handeln ist: Das Virus COVID 19 kennt keine Barmherzigkeit, keine Vergebung. Es kann nur seinen eigenen Naturgesetzen entsprechend reagieren. Ohne Erbarmen wird es auf alle, die ihm zu nahekommen, überspringen, ohne Rücksicht auf „Gerechte und Ungerechte“. Jesus sagt uns, nicht die Natur, aber ihr Menschen könnt anders handeln. Handelt als Freie nicht als Gefangene. 

Immer wieder hat Jesus in seinen Predigten den Menschen die Augen dafür geöffnet, was verzeihen und barmherzig werden innerhalb der menschlichen Angelegenheiten auf Erden vermag. Dafür stritt er auch mit Schriftgelehrten und Pharisäern. Barmherzigkeit, so hielt Jesus ihnen vor, hat unbedingten Vorrang selbst vor den schönsten Gottesdiensten und vor strengster Gesetzestreue. (Matthäus 23, 23 Das Wichtigste im Gesetz lasst ihr beiseite, … die Barmherzigkeit.) So sehr auch das Alte Testament die Barmherzigkeit Gottes lobt und die Menschen in ihren Notlagen sich an die Barmherzigkeit Gottes wenden, Jesus sieht auf Erden den dringenden Bedarf, dass die Menschen selbst „barmherzig werden“. Sie dürfen Barmherzigkeit auf Erden nicht alleine Gott überlassen, das hieße, das Wichtigste, was Menschen tun können - unsere Welt humaner zu gestalten - beiseitezulassen.

Aber barmherzig werden steht nicht sehr hoch im Kurs für alle, die etwas in der Welt werden wollen. Das passt eher zu den „Barmherzigen Schwestern“ als zu den durchsetzungsfähigen Leitenden Führungskräften in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, einschließlich Kirche und Diakonie. Barmherzig werden steht wohl eher für das Gegenteil, für schwach werden, sich erweichen lassen, von den klaren Regeln und Gesetzen der Welt abweichen. Barmherzigkeit ist auch in der Rechtsprechung kein juristisch zu fassender Begriff. Ein Richter, der aus Barmherzigkeit entscheidet, käme in den Verdacht der Willkür, schließlich hat er für Gerechtigkeit zu sorgen. Es besteht also ein hoher Gesprächsbedarf über den Ort der Barmherzigkeit in unserer Gesellschaft.

Ein Pärchen, dass mit vereinten Kräften an einem Strang zieht. 

Gewiss ist barmherzig werden ein ganz persönlicher Prozess jedes Einzelnen. Das Adjektiv charakterisiert unser Handeln in unseren menschlichen Beziehungen. Aber will Jesus barmherzig werden wirklich nur auf den rein privaten individuellen Lebensbereich beschränken? Weist seine Seligpreisung „Selig sind die Barmherzigen, denn sie sollen Barmherzigkeit erlangen.“ nicht darüber hinaus auch in den öffentlichen Bereich unseres Lebens?

„Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht.“ So lesen wir im Jakobusbrief (Jak. 2, 13b).

Ich freue mich auf intensive Gespräche über die Jahreslosung 2021, denn nichts dringender brauchen wir, als dass wir alle barmherzig werden.

Edgar Lüllau 31.12.2020

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.



Phöbe Hintz, Referentin für Kommunikation

Phöbe Hintz Worauf kommt es an, damit es ankommt? Mit dieser Frage beschäftige ich mich das nächste Jahr im GJW NRW als Referentin für Kommunikation. Weil uns Kommunikation täglich und unausweichlich im Alltag, in unseren Gemeinden und Jugendgruppen betrifft, ist es wichtig, dass sie gut funktioniert und durch sie bei unserem Gegenüber das Richtige ankommt.

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